Was und wie funktionieren Postleitzahlen?

 

Das Wort Postleitzahl ist die Bezeichnung für eine Ziffern- oder auch Buchstaben- und Ziffern-Kombination. Obwohl die Postleitzahl für alle Menschen zum Alltag gehört, ist deren zugrunde liegende Systematik nicht immer bekannt. Dabei gab es in Deutschland bereits seit 1941 ein zweistelliges Postleitzahlensystem. Heute gilt ein fünfstelliges System, dessen numerische Grenzen nicht ausgereizt sind.

1. Systematik von Postleitzahlen

Mit der Postleitzahl erfolgt in vielen Ländern eine Eingrenzung des Zustellorts, was den vorherigen Sortierungsprozess enorm vereinfacht. Mit den ersten beiden Ziffern einer fünfstelligen Postleitzahl kennzeichnet sich in Deutschland die Region, in die der Brief gelangen soll. Diese Ziffern benennen die zugehörige Postleitregion, wobei es Nummern für gesonderte Leitbereiche gibt, über die sich die Zustellung von Massenbriefsendungen organisiert.

Meist betreibt die Deutsche Post in diesen Leitregionen eines ihrer 82 Briefzentren, wobei zehn Einrichtungen für jeweils zwei Leitregionen zuständig sind. Die weiteren drei Ziffern einer Postleitzahl differenzieren sich über sogenannte Gemeinden aus, wobei die niedrigste Nummer die Postlagerausgabe und die höchste Nummer den Zustellbezirk umfasst.

Der Begriff Gemeinde meint nicht die staatliche Organisationseinheit, sondern eine räumliche Einteilung, die in ihren Grenzen nicht zwangsläufig mit dem staatlichen Gegenpart übereinstimmen muss. Allerdings orientieren sich die Ziffern meist an den heutigen politisch-organisatorischen Gemeindegrenzen.

Manche Postleitzahlen gehen aber auch über Gemeindegrenzen hinaus. So bezeichnet die Postleitzahl 04936 ein Gebiet, das die Landkreise Teltow-Fläming sowie Elber-Elster umfasst. Es gibt sogar 281 Postleitzahlen, die über Grenzen von Bundesländern hinweg gehen. Grundsätzlich folgen Postleitzahlen aber einer natürlichen Ordnung.

Zum Beispiel gibt es in der Leitregion 88 den Leitbereich 88001 bis 88099, der Friedrichshafen heißt und den östlichen Bodenseebereich umfasst. Die Nummern 8801 bis 88048 kennzeichnen die gleichnamige Stadt, während die Nummern 88079 bis 88074 für Meckenbeuren gelten. In Friedrichshafen sind Nummern wie 88023 für Postfächer vorgesehen. Großempfänger finden sich wiederum unter den Ziffern wie 88045 während Postleitzahlen wie 88045 einen Zustellbezirk kennzeichnen.

2. Besonderheiten von Postleitzahlen

Bei einem Blick auf Postleitzahlen fällt auf, dass der Großteil aller möglichen Zahlenkombinationen nicht belegt ist. Besonders einprägsame Nummern nutzt die Post derweil für den internen Gebrauch. So kennzeichnet die 62 das Internationale Postzentrum (IPS), das sich in Frankfurt am Main befindet. Dort bearbeitet das Unternehmen die Sendungen für das Ausland.

Manche Institution besitzt eine spezielle Postleitzahl für die Kontaktaufnahme. So ist der Bundestag mit der PLZ 11011 anzuschreiben. Wer den Kiosk auf der Zugspitze erreichen möchte, nutzt unterdessen die 82475. Auch der Messeturm in Frankfurt besitzt mit der 60308 eine eigene Postleitzahl. Doch die Mehrheit der insgesamt rund 30.000 Postleitzahlen gehört zu Postfächern.

Insgesamt sind derzeit rund 16.000 Nummern an ein Postfach gebunden. 3.100 Postleitzahlen gehören unterdessen zu Großempfängern. Für die Hauszustellung gibt es etwa 8.000 verschiedene Ziffern. Zudem existieren 800 sogenannte Aktions-Postleitzahlen, die zum Beispiel für die Briefwahl nutzbar sind.

3. Zusammensetzung von Postleitzahlen

Die Anordnung der fünf PLZ-Ziffern erfolgt immer nach einem bestimmten Muster. Sie stehen die ersten beiden Zahlen für die geografische Leitregionen, die sich in diverse Zahlen differenzieren. Beide Ziffern ermöglichen eine noch tiefgehendere Zuordnung. Durch die erste Zahl lässt sich die sogenannte Postleitzone bestimmen.

Das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland unterteilt sich sich derzeit in zehn solcher Zonen, wobei die 0 und 1 für ostdeutsche Bundesländer reserviert sind. Die 8 und 9 gelten in Bayern, während die 7 vorwiegend in Baden-Württemberg ihre Anwendung findet. Allerdings richtet sich diese Zuordnung nicht nach den Grenzen der Bundesländer, sondern nach der Lage von Verkehrsflughäfen, über die eine Auslieferung erfolgt.

Mit der zweiten Ziffer kennzeichnet sich außerdem ein konkretes Gebiet in einer Postleitzone. So gilt beispielsweise die 69 für Heidelberg, während die Ziffer 60 das Stadtzentrum von Frankfurt am Main meint. Im Briefverkehr grenzen die letzten drei Zahlen den Wohnbereich des Empfängers ein.

Jede Gemeinde besitzt daher einen Nummernbereich. Die niedrigsten Nummern kennzeichnen Postfächer. Es folgen Großkunden, bevor die eigentlichen Zustellbezirke beginnen.

Ein Beispiel aus Bayern: Postfächer in München besitzen Zahlen ab 80001. Ein Großkunde wie die Stadtverwaltung ist über die 80313 erreichbar. Für den klassischen Briefverkehr gelten Postleitzahlen zwischen 80331 sowie 85540

4. Geschichte der Postleitzahlen

Zwar ermöglichte bereits die Verwaltung der Thurn-und-Taxis-Post seit 1853, Orte anhand der Region im Zahlenbereich zu identifizieren, allerdings erfolgte eine wirkliche Gliederung erst ab dem Jahr 1917. Damals entwickelte Carl Bobe sein “Organisationsschema zur schnelleren Postzustellung”, das als eigentliche Grundlage für eine Zustellung anhand von Postleitzahlen gilt.

4.1. Einführung im Weltkrieg

Es dauerte bis zum Zweiten Weltkrieg, bevor das System tatsächlich zur Anwendung gelangte. Durch die kriegerischen Geschehnisse stieg das Aufkommen von Feldpostsendungen und Päckchen. Viele Postbedienstete, die für die Sortierung zuständig waren, befanden sich in der Wehrmacht. Versklavte Fremdarbeiter und schnell eingestellte Laien konnten den Aufwand nicht bewältigen, sodass es zu deutlichen Zustellungsverzögerungen kam.

Daher erstellte das Reichspostministerium eine Verfügung, die am am 25. Juli 1941 in seinem Amtsblatt erschien. Zunächst galt die Anordnung nur für die Zustellung von Paketen, die zukünftig über 24 Leitstellen und weiteren Unterleitstellen zum Adressierten gelangten. Die Gebiete orientierten sich an den Einteilungen der damaligen Gauleitungen, womit sie den Bezirken der Oberpostdirektion entsprachen. Diese wurden fortan mit zweistelligen, numerischen Postleitzahlen gekennzeichnet.

Eine erweiternde Anordnung erschien am 19. Oktober 1943. Die “Anweisung für den Briefverkehr” enthielt die verbindliche Einführung von 32 Leitgebieten, über die sich fortan die Zustellung im zivilen Briefverkehr regelte. Die Postleitzahl sollte zukünftig in einem Kreis links neben dem Bestimmungsort stehen. Wenn der Umschlag mit einer Schreibmaschine erstellt wurde, stand die PLZ in einer Klammer.

Schon ab 1944 unterstützten werbliche Produkte die Verwendung der Zahlen. So gab es Einsatzstücke der Postleitzahlen, die sich in damals gängige Maschinenstempel integrieren ließen. Zur Steigerung der Verwendung enthielten amtliche Formblätter ab März des Jahres ein Feld für die Postleitzahl. Ab Juni fanden sich die Zahlen auf postalischen Stempeln.

4.2. Nutzung nach 1945

Als der Zweite Weltkrieg in Europa am 8. Mai 1945 endete, setzte sich die Geschichte der Postleitzahlen fort. Das System fand auch in den vier Besatzungszonen, in die das ehemalige Deutsche Reich unterteilt wurde, eine Anwendung. Nur die Postleitzahlen 4 bis 9 sowie 11 und 12 befanden sich in Gebieten, die seit Kriegsende nicht mehr zu Deutschland gehörten. So wurden nicht mehr benötigt.

Im Laufe der Zeit gab es weitere Veränderungen. Allerdings galten die Postleitzahlen auch nach Gründung von Bundesrepublik und DDR weiter. Ab 1949 erfolgten aber leichte Anpassungen, die sich durch die entstehende Grenze zwischen West- und Ostdeutschland erklären.

Immer weniger Nutzende hielten sich in den 1950er Jahren an die Postleitzahlen. Eine PLZ befand sich nur noch auf jeder dritten Sendung, die im Bereich der Bundespost an Adressaten gelangte. Damals existierten Überlegungen, die Zustellung anhand des PLZ-Systems einzustellen. Durch die zunehmende Automatisierung bei der Sortierung wurden solche Überlegungen aber schnell fallengelassen.

4.3. Westdeutsche Erneuerung ab 1961

In der Bundesrepublik erfolgte statt dessen eine deutliche Überarbeitung. Durch die neue Ordnung von Orten, die Leitpostämtern zugeteilt wurden, reduzierte sich der Sortieraufwand. Eingesparte Orte sollten Nutzende zukünftig mit dem Zusatz “über Leitpostamt” und der korrekten PLZ anschreiben. Allerdings setzte sich die Neuordnung nicht bei den Kunden durch, sodass die Angaben auf 72 Prozent aller Sendungen fehlte.

Mit dem angehenden Jahr 1962 erfolgte die Einführung eines neuen Postleitzahlensystems für die Bundesrepublik, das unter maßgeblichem Einfluss des damaligen Bundespostminsters Richard Stücklen entstand. Ab dem 23. März galten neue Postleitzahlen, die bereits am 3. November 1961 im Amtsblatt des Bundesministeriums für das Post- und Fernmeldewesen erschienen waren.

Das neue System berücksichtigte den damals utopisch Gedanken, dass es zukünftig ein geeintes Deutschland gibt. Daher waren die Bereiche wie 1001 bis 1999 sowie 9000 bis 9999 für das Gebiet der damaligen DDR reserviert. Eine weitere Zuteilung fand allerdings nicht statt. Die Zahl 1000 wurde die PLZ von West-Berlin, das offiziell nicht zum Territorium der BRD gehörte.

Für die Bundesrepublik existierten 6300 Zahlen, was damals mehr als genügte. Es dauerte schließlich bis in die frühen 1980er Jahre, bevor Postleitzahlen ab 2700 vergeben wurden. Dass das neue Postleitzahlensystem gut funktionierte, bewies zuvor dessen rege Nutzung. Schon Ende 1962 befand sich eine PLZ auf gut zwei Drittel aller Sendungen. Ein Jahr später fand sich die Postleitzahl auf gut 95 Prozent aller Briefe.

Die damalige Postleitzahl bestand aus vier Ziffern, die jeweils eine eigene Bedeutung besaßen. Die erste Ziffer stand beispielsweise für die zuständige Leitzone. Die zweite Ziffer galt dem untergeordneten Leitraum. Die dritte Angabe kennzeichnete ein für das jeweilige Gebiet zuständige Leitamt. Falls es eine vierte Ziffer gab, meinte diese ein ein Leitabschnittsknotenamt, dem in der Regel mehrere Orte zugeordnet waren.

4.4. PLZ in der DDR

Zwar wurde das vormalige PLZ-System schon Anfang der 1960er auf dem gesamten DDR-Gebiet außer Kraft gesetzt, aber eine Fortführung blieb mehrere Jahre aus. Erst ab dem 1. Januar 1965 führte die östliche Deutsche Post in der Deutschen Demokratischen Republik ein neues vierstelliges Postleitzahlensystem ein. Es war ausschließlich auf die DDR zugeschnitten. Die neuen Postleitzahlen bestanden aus einer Nummer des Zahlenbereichs 1000 bis 9000, die fortan für die Landeshauptstadt und 14 Bezirke galten.

Das PLZ-System in Ostdeutschland ähnelte der Strukturierung in der Bundesrepublik. An der Zahl ließ sich die Stellung der Postdienststellen zuordnen. Viele Zahlen gab es daher doppelt. In der DDR stand die 5300 beispielsweise für Weimar. In der BRD war über diese PLZ die Bundeshauptstadt Bonn anzuschreiben. Daher wurden Briefe von westdeutschen Nutzenden in die DDR mit einem X vor der Postleitzahl gekennzeichnet, während ostdeutsche Schreiber die 0 gebrauchten, wenn sie in den Westen schrieben.

4.5. Postleitzahlen nach 1990

Nach der Wiedervereinigung gab es im neuen Deutschland zwei Postleitzahlensysteme mit jeweils vier Ziffern. Im Verkehrsgebiet West existierten damals 3400 Zahlen. Für den östlichen Briefverkehr gab es 2020 Postleitzahlen. Daher mussten Nutzende für den Briefverkehr ein W (für West) oder ein O (für Ost) setzen, wenn sie in die alten beziehungsweise in die neuen Bundesländer schrieben.

Am 24. Oktober 1991 erfolgte die Entscheidung für ein neues fünfstelliges PLZ-System. Dieses sollte das Posttechnische Zentralamt in den folgenden zwei Jahren entwickeln. Die Behörde holte Erfahrungen aus anderen europäischen Postverwaltungen wie Frankreich und den Niederlanden ein. Umfassendere Beratung erfolgte aus Schweden. Die neuen Leitregionen der PLZ orientierte sich am vierstelligen BRD-System, sodass es in vielen Ballungsräumen keine oder nur wenige Veränderungen gab.

Die reale Einführung des neuen Postleitzahlensystems erfolgte am 1. Juli 1993. Es war die Basis für zu gründende Postverteilungszentren, über die Briefe in nur noch zwei Sortiergängen zugeführt wurden. Durch dieses PLZ-System wurden Zustellbezirke in die Ziffern integriert. Zudem konnten Großempfänger ihre eigene Postleitzahl erhalten. Es ermöglichte ausreichend Reserven, weil sich neue Großemfänger, Wohngebiete und Postfächer in weitaus höherer Zahl integrieren ließen.

5. die Zukunft der Postleitzahlen

Heute gibt es in Deutschland rund 30.000 Postleitzahlen. Theoretisch sind sogar bis zu 100.000 PLZ möglich. Daher dürften, selbst bei stark steigenden Nutzungszahlen, noch mehrere Jahrzehnte vergehen, bis eine erneute Neuordnung notwendig ist. Das aktuelle Postleitzahlensystem ist daher auch in den kommenden Jahrzehnten in Anwendung. Die existierenden Ziffern lassen sich bereits in der Gegenwart in Sekunden einsehen.

Bislang vergebene Zahlen veröffentlichte die Post noch vor einigen Jahren in einem Postleitzahlenbuch. Es enthielt ein komplettes Straßenregister mit der dazugehörigen Ziffer. Das Buch wurde in einer Auflage von 40 Millionen Exemplaren kostenlos an alle Haushalte in der Bundesrepublik verteilt. In den folgenden Jahren erschienen die Daten auf einer CD-Rom. Mittlerweile bietet die Post einen Online-Service zur Einsicht an.